Videokunst im Web 2.0

von Dominikus Müller, am 16. August 2007 auf artnet.de

In diesem Artikel zieht Müller einen Vergleich zwischen Archiven der Videokunst und den Web 2.0 Portalen.

Zwar gibt es schon seit einiger Zeit Archive und Datenbanken für Videokunst, aber oftmals beschränken sich diese auf ein Auflisten und Sammeln von Information über „klassische“ Videokunst, ohne das Web selbst als Ort zu begreifen, an dem Videokunst stattfindet.

hingegen erscheint ihm das Internet als ein mehr als geeignetes Medium, in welchem Videokunst präsentiert werden kann.

Wo andere Spielarten der bildenden Künste sich im Netz mit einem massiven Transferverlust konfrontiert sehen, profitiert Videokunst in unvermuteter Weise. Dank Archivdatenbanken und Streaming-Webseiten entgeht sie ihrem beständigen Präsentationsproblem, entweder nur in einer Black Box in der Galerie sichtbar zu sein oder aber gedruckt in Katalogen oder Magazinen ihres essentiellen Bewegungscharakters beraubt zu werden.

Dabei stellt er aber auch ein entscheidendes Manko der augenblicklichen Web 2.0 Struktur heraus:

Das Problem bei dem auf Benutzerinhalten („User Generated Content“) basierenden Web 2.0 ist nur: Unter all den Abermillionen Videos, die auf diversen Plattformen und Portalen kursieren, das zu finden, was wirklich von Interesse ist, grenzt an Unmöglichkeit. Wenn man nicht genau weiß, was man will und auf der Suche nach Neuem und Unbekanntem ist, sieht man sich schnell mit einem hoffnungslosen Unterfangen konfrontiert.

Dieses Problem bringt mich wiederum dazu, mich vermehrt an die Phase vor dem Entstehen des GoogleMonopols zu erinnern. Damals existierten Portale und Verzeichnisse (manche mehr oder weniger offen, andere redaktionell gepflegt), die einen Weg durch das unüberschaubare Dickicht der html(web)Seiten vorschlugen. Und dennoch sind damalige originäre Netzphänomene wie die net.art (größtenteils) nur einem kleinen spezialisierten Publikum zugänglich geworden. Dieses spezialisierte Publikum könnte auch als Community (special interest) bezeichnet werden, deren Mitglieder sich über Link- und Mailinglisten austauschten und dabei auf bestimmte Seiten bzw. aufeinander verwiesen, um so innerhalb dieser Gruppe Aufmerksamkeit zu generieren. Durch das komfortable und recht erfolgreiche Angebot der Google-Suche (ein Formularfeld -> hinreichend genaue Treffer) verloren die Portale ihre Attraktivität. Jedoch durch die Konzentration und Spezialisierung auf bestimmte technische (technorati) und mediale (flickr, youtube) Eigenschaften des Internets, aber auch seiner Nutzer (Facebook, SchülerVZ, myspace) erlangen sie heute wieder eine (nicht mehr erwartete – jedenfalls von mir nicht) Popularität. Doch schleppen sie auch wieder die alten Probleme mit ein. Es ist nichts wirklich Neues und Anregendes einfach und komfortabel zu finden. Man muss auch heute wieder Mitglied einer Gruppe von “Spezialisten” sein. Dazu stellt Müller wiederum fest:
Die kakophonisch-anarchische und beständig mit dem Urheberrecht in Konflikt geratende Szene des Web 2.0 wird zunehmend in geregelte Formate wie eben OHTV.de zurückgeführt, wird ergänzt, wenn nicht sogar abgelöst von strukturierten Portalen, die zwar nach wie vor „Special Interest“-Inhalte liefern, diese aber durch eine Vorauswahl kanalisieren.

Verschiedene solcher Anlaufstellen werden von Müller aufgezählt. Im Besonderen vorgestellt wird das OHTV Magazin.
Daraus abzuleiten wäre, dass in nächster Zeit eine solche “Killer – Applikation”, wie Google sie darstellt, auftauchen wird. Bedarf besteht jedenfalls…

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