Intro: radio series “An Acoustic Journey Through YouTube”

Heute Nacht wurde die erste Sendung der Sendereihe “An Acoustic Journey Through YouTube” von CYT über das CoLaboRadio in Berlin auf auf 88,4 MHz und in Potsdam auf 90,7 MHz ausgestrahlt. Idee der Sendereihe ist es unterschiedliche Autoren zu bitten das “Gridr.org Tool” einzusetzen und eigene Perspektiven auf den YoutubeArchivbestand zu entwickeln bzw. Klangreisen zu erzeugen und über diese dann im Gespräch Auskunft zu geben.

CYT wird versuchen hier im Blog zeitnah alle Metadaten, wie Links, Titel und MP3s etc. zu veröffentlichen.

Statement zur Sendereihe “An Acoustic Journey Through YouTube” 

YouTube (YT) ist ein Archiv. Ein Archiv, das nicht nur Filme und Bilder sondern auch Musik und Sounds/Klänge verwaltet. Ich möchte sogar behaupten, dass die Anteile der „reinen Musik-Filme“ höher sind, als die der Filme. Ich meine damit, dass Youtube insbesondere dazu genutzt wird, um jede erdenkliche Form von Musik einer breiten Masse online zur Verfügung zu stellen, aufzubewahren und zu archivieren. Es handelt sich dabei nicht nur um komponierte Musik, sondern auch um Klänge und Geräusche.

Die auf  YT vorhandene Musik selbst lässt sich unterteilen in Musik die in der nicht Netzwelt aufgezeichnet wurde (z.B. als Schallplatte, oder als Videodokumentation einer Aufführung, oder einer Film- und Fernsehproduktion u.v.m.) und danach auf YT hochgeladen wurde; und in Musik, die erst aus Fundstücken aus YT selbst neu zusammengestellt und gemixt wurde. (siehe die große Anzahl an Mashups und VideoMixes, sowie Aufnahmen (screengrabs) von Netzinstrumenten) Das Spektrum reicht von anthropologischen und ethnologischen, eher wissenschaftlichen Aufnahmen, über die klassische Musik bis hin zur Populär- und Avantgarde-Musik. Das Dokumentieren und Veröffentlichen des eigenen, persönlichen Spiels oder Gesanges reiht sich ein in das Veröffentlichen von allen denkbaren künstlerischen und darstellenden Handlungsformen, zu denen ich z.B. auch das Produzieren von Rezitationen oder sogenannten Howto’s zähle. Besonders hervorheben möchte ich hier aber Phänomene wie die Nutzung der “Netzinstrumente” wie z.B. “Inbflat”, oder “doodle guitar”,  oder auch die vielen Mashups und Remixe der in YT vorgefundenen Musikvideos. Diese stellen eine ganz eigene, neue Form des Youtube-Musizierens dar.

Das Internet spiegelt unsere Welt symbolisch. Doch YT zeigt deutlich, dass es weit darüber hinaus, d.h. wieder zurückreicht, denn das Spiegelbild blendet meine weitere Wahrnehmung – überzeichnet sie.  Gleichzeitig ist YT auch immer ein Archiv. Ein Archiv von Aufnahmen unseres Lebensraumes, des Natürlichen wie auch des Kulturellen. Das Archiv erhält aus unterschiedlichsten Quellen seine Sammlungsgegenstände und der Bestand wird ähnlich wie in Wikipedia durch die freiwillige Mitarbeit der Teilnehmer erzeugt. Die scheinbar immer und überall verfügbaren Aufzeichnungsgeräte machen es möglich eine Art Snapshot des Lebens in unser Welt anzufertigen (http://www.youtube.com/user/lifeinaday). Die symbolische Überlagerung und Vermittlung finden jetzt nicht mehr nur innerhalb unseres menschlichen Verstandes statt, sondern externalisieren und materialisieren sich sowohl in den Aufzeichnungsgeräten, wie auch in deren Produkten. Das Phänomen der Aufzeichnungen ist kein neues Phänomen, nur geschieht es heute in Echtzeit, so dass, wenn wir teilnehmen, sich unsere Welten gerade erst mit und im Teilnehmen herausbilden. Das Ordnen der sich so versammelnden Dokumente ist schier unmöglich, da ihre Quantität alles bisher Dagewesene übersteigt. Da es für den Menschen nicht mehr handhabbar ist, wird es an Algorithmen abgetreten. Eine unüberschaubare Menge an Parallelwelten wird auf diese Weise dynamisch und automatisch gestaltet und entzieht sich damit unserem direkten Zugriff in der Reflexion und Übersicht. Ein identitätsstiftendes Ordnen kann jetzt nur noch individuell erfolgen und so aber den Einzelnen mit der Massengesellschaft versöhnen. Die Fülle an Experimentierfreude und individuellen Positionen, die trotz des enormen sozialen Drucks entstehen, faszinieren mich immer aufs neue und geben mir Kraft und Hoffnung und motivieren mich dadurch direkt an dieser Form der kollektiven Kulturarbeit teilzunehmen.

Curatingyoutube entwickelte für sich im Umgang mit den Phänomenen von YT eine Methode die es ermöglicht, vergleichend, analytisch aber auch ästhetisch und assoziativ mit der Fülle der Erscheinungen umzugehen: “das Auswählen und Anordnen im Video-Grid“. Diese Grids dienen als Instrument/Playliste/Soundbank aus denen spontan Videos bzw. Musikstücke auswählt werden können. Die Musik/Klangstücke können parallel abgespielt, gereiht oder wiederholt werden, so dass am Ende eine bestimmte Geschichte, Interpretation oder Klangreise steht.

 

 

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