on the scene Footage: Friday Protests Across Syria

Ich habe gerade diesen Beitrag auf youtubetrends gesehen und war zu erst verblüfft über die Präsentationsform als Videogrid von 2×2 Videos. Daraufhin und beim gleichzeitigen Abspielen der 4 Videos musste ich darüber nachdenken, was es bedeutetet diese Form der Präsentation zu wählen.?Soll der Eindruck verstärkt werden? Reicht ein einzelnes Video nicht? Soll eine ästhetische Aussage getroffen werden? Oder kann man einfach nicht besser das Massenhafte, das Simultane und Parallele dieser Phänomene, Effekte und Ereignisse darstellen? Oder reflektiert diese Darstellungsform auf die Quantität des Dokumentarmaterials??Die Form der Steigerung der Quantitäten ist bezeichnend für unsere moderne Gesellschaft. Das Serielle, die Wiederholung sind ebenfalls fester Bestandteil des Modernen Kunst Kanons. Die Häufung und Gleichzeitigkeit von Werken taucht aber erst in letzter Zeit mit der so genannten MedienKunst auf. Das VideoGrid erscheint als Webseiten-Medienwand, eine Medienwand, die alle nutzen können. Während ich darüber nachdenke, fallen mir die Warhol’schen Disaster Series ein. Diese tragen schon im Namen und auch in ihrer Produktionsform das Serielle in sich. Hinzu kommt heute das Multiperspektivische, in dem auf ein und dasselbe Ereignis durch tausende Geräte geschaut, es von Tausenden im selben Augenblick dokumentiert und die Dokumentation augenblicklich weiter geleitet und verteilt wird. Dies ist sinnlich erfahrbar gewordene kollektive Aneignung eines Phänomens. Der Vorgang der Dokumentation ist gleichzeitig Teilnahme. Die Teilnahme wird oft für viele nur möglich, indem sie die Ereignisse durch die Kamera oder sonstiges Aufzeichnungsgerät betrachten. Einerseits ist dies ein sich in Distanz setzen, andererseits ein überhöhtes Teilnehmen, da es ja eine Dokumentation ist, die die jetzigen Ereignisse sowohl nach hinten (als schon Vergangene) und gleichzeitig nach vorn mit einer im Kollektiv vereinbarten und geteilten Realitätsinterpretation projiziert. Damit verleiht die Dokumentation und das damit verbundene Teilen (share) der persönlichen Teilnahme eine Bedeutung über das individuelle Wahrnehmen hinaus. Das individuelle Wahrnehmen wird insbesondere dann zum Überpersönlichen, wenn die Veröffentlichung nicht nur in privaten, sondern auch in überpersönlichen Kontexten, wie z.B. auf youtubetrends oder als footage in den Nachrichtensendungen der klassischen Medien Verwendung findet. Das individuelle Wahrnehmen wird darüber hinaus bereits im Blick durch das Gerät, durch die Motivation zur Dokumenation von einer affektbeherrschten zu einer ästhetischen Wahrnehmung, die dann zu einer Überpersönlichen wird, wenn die Dokumentation auf den sie bestimmenden Veröffentlichungskontext hin entworfen wird. Dabei egalisieren diese “überpersönlichen” Effekte die einzelnen Dokumentationen, denn im Massenhaften verschwimmt das Originäre naturgemäss. Hier in diesem Fall, aber auch in allen anderen Dokumentationen von Massenbewegungen treffen die Egalisierungseffekte mit dem Sujet zusammen. Denn auch im riot geht die Einzelperson wie auch die Einzelperspektive in der kollektiven Dynamik unter. [Zur Illustration ein Grid von 2010] Es ist noch gar nicht abzusehen wie diese heutige Form der Präsentation und Kommunikation mittels persönlicher bzw. individueller Videos weiter in Politik, Kunst und Leben eingreift. In wieweit sie Anteil an den jetzt geschehenden Veränderungen haben, ist nicht wirklich bestimmbar, dass sie aber Anteil haben, ist sicher! Inwiefern die Darstellung als Grid auf Webseiten wie youtubetrends noch den Einfluss potenzieren ist auch offen. Was das Grid als Darstellungsform hervor hebt, ist die zeitliche Gleichzeitigkeit ähnlicher Ereignisse und die Parallelität der Wahrnehmung an verschiedenen Orten.  Das Grid erzeugt in der direkten Relation, über das unmittelbare bildliche Vergleichen ein Gefühl von Solidarität beim Betrachter und konstruiert eine kollektive Identität bei den Produzenten/Teilnehmern. Das simultane, parallele Abspielen potenziert erheblich die Intensität … wäre es möglich ein Grid vom Tsunami oder dem Reaktorunfall von Fukushima zu machen oder würde dies zu weit gehen??Die oben angesprochene Distanz lässt ein ästhetisches Empfinden zu, dass es uns Menschen ermöglicht mit der furchteinflössenden Gewalt der Natur umzugehen :: sie wird zum Naturschauspiel!

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