Interaktion versus Konsum

Ein im Kontext der Medienkunst entwickeltes Prinzip wie Interaktivität wird von Mainstream- Medien aufgegriffen, aber die ursprüngliche Zielsetzung dabei in ihr Gegenteil umgekehrt. Oder um es nochmal mit den Worten Brechts auszudrücken: „Das gegen ihn gespritzte Gift verwandelt der Kapitalismus sogleich und laufend in Rauschgift und genießt dieses.“ Die künstlerische Utopie einer interaktiven Kunst als Emanzipation des Betrachters vom Konsumismus, die sich gegen den klassischen, geschlossenen Werkbegriff wendet, weil er eine marktkonforme Kunst als Ware verkörpert, sieht sich also vor dem Paradox, das ihre Konzepte zum Motor der New Economy umgebaut werden und damit der totalen kommerziellen Durchdringung des alltäglichen Medienkonsums dienen. Diese bestätigt zwar den Avantgarde-Status von Medienkunst, doch lässt es nicht zugleich auch die an die Interaktivität geknüpften Ideale zu historischen Relikten einer vergangenen Aufbruchsstimmung werden?Welche Möglichkeiten bestehen in dieser Lage noch für die Medienkunst oder Netzkunst? Vielleicht ist der einzige Weg, die Kommerzialisierung des Netzes zu akzeptieren und selbst mit ihr zu spielerisch zu arbeiten.

Interaktion versus Konsum
Massenmedien und Kunst von 1920 bis heute

Dieter Daniels

Ars Electronica Katalogartikel

Ja, genau! Mit dieser Analyse beschreibt D.D. die Situation und meine paradoxe Stimmung ausgezeichnet. Doch frage ich mich: hatten die so genannten Ideale oder Utopien nicht schon immer nur die Funktion eines Labels? Kann in einer total durch- ökonomisierten Welt (denn nicht nur das Netz ist kommerzialisiert) überhaupt so etwas wie der Begriff von freier Kunst neben dem der Arbeit bestehen? Und schließlich: Wenn sich der Betrachter emanzipiert, so wird er zum Teilnehmer, zum Künstler. Wenn dann jeder ein Künstler und die Kunst im Leben angekommen ist – brauchen wir dann noch den Begriff der Kunst?

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