Ich habe keinen Fernseher

Ich habe keinen Fernseher 26.09.2008, Thema: Medien, Interviews, Internet Hendrik Speck über eine Studie zu Youtube

Ich habe keinen Fernseher Im IconicTurn Blog interviewt Stephan Heidenreich H. Speck –>

Im Zug der Studie wurden die öffentlich zugänglichen Seiten von 6 Millionen Nutzern und 5 Millionen Videos auf Youtube erfaßt und untersucht. Das betrifft die Angaben in den Nutzerprofilen, Alter, Geschlecht, Beziehungsangaben, aber auch wie sich die Nutzer verhalten, welche Videos sie ansehen, was sie kommentieren.

und

Dazu muss man wissen, daß es sich hierbei um das Verhalten in sogenannten Large Scale Communities handelt mit jeweils mehreren Millionen Datensätzen von Nutzern und Videos. Dies sprengt sowohl methodisch als auch vom Datenumfang her die Ansätze und Verfahren der klassischen Soziologie.

Wieder eine wissenschaftliche Studie zum Thema … Leider gibt es keinen Link zu der Studie selbst … auch wird nicht ganz klar nach welcher Methode vorgegangen wurde bzw. aus welchem Fachbereich (sozialwiss., kulturwiss. oder betriebswirtschaften etc.) die Studie stammt. Interessant wäre auch gewesen zu erfahren wie die Untersuchung selbst durchgeführt wurde. Bei der ungeheuren Masse von 6 Millionen Profilen bräuchte man ja eine ganze Weile (bzw. sehr viele Mitarbeiter oder automatisierte Vorgänge) – 5 min pro Profil = 120000 min = 15000 Arbeitstage à 8 Stunden (bei 253 Arbeitstagen pro Jahr wären das 247 Arbeitsjahre) d.h. da müssten ja fast 250 Wissenschaftler ein Jahr beschäftigt gewesen sein (oder 125 zwei Jahre usw.). Dabei ist jetzt ja noch gar nicht eine durchschnittliche Länge von, sagen wir, drei Minuten pro Film und einfach mal nur geschätzt, von durchschnittlich 3 Filmen pro Profil mit eingerechnet (nochmals 444 Arbeitsjahre)… Daraus ist zu schlussfolgern, dass das Projekt automatisiert und die Profildaten geparst und in Tabellen ausgewertet wurden … Nun interessant wäre auch zu erfahren wieviel Prozent 6 Millionen Profile von den gesamt angemeldeten Usern darstellen … wie viele davon wiederum zwei oder mehr Profile besitzen und in Ihren Angaben nicht “ganz” wahrheitsgemäße Eintragungen vornehmen … wie viele von den Kommentaren selbst von Bots vorgenommen wurden bzw. wie viele automatisierte Einladungen etc. versendet wurden, oder ob die Videoantworten sozusagen Teil einer Gemeinschaftsarbeit (responsecircle) bzw. eines “Spiels” sind – ist solch ein Spiel dann ein “VideoGespräch” oder bleiben es Kommentare oder was? … Beim Lesen des Interviews hatte ich den Eindruck gewonnen, dass die Beteiligten irgendwie erstaunt darüber waren, dass youtube größtenteils als Unterhaltungsmedium genutzt wird. Wie kann das noch jemanden erstaunen? Das Verhältnis von Information und Unterhaltung wird sich in allen anderen Massen Medien (Zeitschriften, Radio und Fernsehen) ähnlich gestalten … Also, alles zusammengenommen denke ich, dass die Studie sehr feingranulierte von Softwareagents gesammelte Daten vorlegen wird, doch auf die Interpretation selbst bleibe ich noch gespannt … denn ich habe irgendwie die Vorstellung, dass um das Phänomen zu beschreiben letztlich die Videos selbst betrachtet und ausgewertet werden müssen – und ich denke, das ist einfach nicht mehr zu leisten … Youtube hat im Web eine Art Paralleluniversum hervorgeracht und ähnlich wie im WWW selbst nutzen statistische Auswertungen nichts, um das Phänomen zu begreifen — vielleicht war das auch gar nicht der Ansatz, doch der ist mir leider überhaupt verborgen geblieben … ein einfacher und (hinreichender?) Überblick zum Thema findet sich wieder einmal hier – Digital Ethnography

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