Einleitung

Nach nun drei Wochen der erste Eintrag zum Thema.
Ikonoskop ist die Bezeichnung, unter der wir den Versuch zusammenfassen, youtube zu kuratieren.

Unbestritten hat auch mich das Phänomen erfasst. Eigentlich stand ich bis vor kurzem dem ganzen Web 2.0 Hype eher skeptisch gegenüber. Als ich zum ersten Mal meinen amerikanischen Untermieter myspace benutzen sah, dachte ich “das ist ja unglaublich, das hat bestimmt das FBI ins Netz gestellt”. Es kam mir wie eine ins Groteske gesteigerte Umsetzung der frühen NetzUtopien vor. Begriffe wie Kommerzialisierung und Kontrolle, so dachte ich, können dies nicht einmal annähernd beschreiben, was da mit dem Netz passiert ist. (Natürlich stellte sich die Frage, ob das mit dem Netz passiert ist oder ob es nicht eher so war, dass die Technik, ihre Erscheinung, ihre Ausformung nur das Ergebnis unserer Art und Weise zu sein sein konnte – was also ist uns da passiert? Nun, das wird hier jetzt erst einmal zurück gestellt werden müssen.) Gleichzeitig, neben der Pervertierung der oben angesprochenen NetzUtopien, fühlte ich mich an eine andere utopische Perspektive erinnert, die sich hier möglicherweise einlöste. Ließe sich nicht Joseph Beuys parolenartiges Statement „Jeder Mensch ist ein Künstler“ wenn nicht sogar sein etwas einschränkend gemeinter Begriff der „sozialen Plastik“ auf die Aktivitäten der „Web 2.0 Jünger“ übertragen und am Beispiel youtubes demonstrieren?

Diese Überlegungen, verknüpft mit dem Gefühl der Ausgeschlossenheit (aus dem Kunstbetrieb) und einer Priese „trotzalledem“ (nicht mit mir), und unterstützt durch die Beobachtung, dass eine rein urteilsbasierende Ästhetik zwar soziale Positionen sichert und monetären Wert generiert, aber nicht annähernd den Phänomenen unserer von Medien geprägten Welt gerecht wird, führten zu dem Entschluss Ikonoskop „einfach zu machen“, d.h. eine Ausstellung zu kuratieren – und sich dabei bewusst dem Widerspruch auszusetzen, einerseits Urteile zu fällen und zu selektieren, andererseits zugleich diese Mechanismen kritisieren zu wollen. Üblicherweise werden Prozesse, die zur Selektion führen, verdeckt und möglichst verunklärt. Im Projekt Ikonoskop soll dies nicht geschehen. Im Gegenteil, gerade subjektive und persönliche Perspektiven und Haltungen sollen thematisiert werden. So liegt es nahe, die Form der Ausstellungsentwicklung und -organisation ins auszustellende Material einzupassen. Damit aber erscheint nun Ikonoskop in doppelter Hinsicht als ein schon zum Beginn gescheitertes, oder zu mindest zutiefst widersprüchliches Unterfangen …

Youtube.com/ikonoskop
stellt die bisherigen Sichtungen als Playlisten zusammen.
Ikonoskop.atdigital.org versucht, die Entscheidungsprozesse, Recherchen und Reflektionen zu dokumentieren.
Der Flockbrowser bot sich als geeignetes Werkzeug an, welches (da die Schreibwerkzeuge an den Gedanken mit arbeiten) den Web 2.0 Overkill ermöglicht.

Voraussichtlicher Ausstellungstermin: 30.01.2008 – 02.02.2008
Ort: noch nicht bekannt.

Blogged with Flock

Tags: , , netvideo, , prolog

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